Montag, 24. Oktober 2016

Union St. Gilloise - KSV Roeselare 1:2

Stade Roi Baudouin, 3.000 Zuschauer


Letzter Tag des Trips, trübes Wetter, Müdigkeit, schlechte Laune, Brüssel - und dann hellt ein Spaziergang am Nachmittag alles wieder auf. Das kann bei mir (fast) nur durch Fußball passieren.

Die europäische Hauptstadt kannte ich bisher ja nur vom Durchfahren, war da nicht sonderlich begeistert, und es wird auch wohl noch etwas dauern, bis ich die Stadt als würdigen Repräsentanten eines ganzen Kontinents akzeptieren kann.

Die Hotelwahl hat mich dann aber dazu verleitet, durch das Stammviertel des heute besuchten Klubs zu streunen, es sollte sich auszahlen. Per Zufall komme ich dabei nämlich auch an einem ehemaligen Stammcafe von Union vorbei, an dem noch eine alte Stecktafel über die Ligen hängt, die man früher je nach Verlauf gestalten konnte. Recht viel mehr bekomme ich aus dem sehr freundlichen Barista dann aber nicht heraus. Saint Gilles ist sehr widersprüchlich, im Osten eher migrantisch und Arbeiterviertel, im Westen dann eindeutig bürgerlich betucht. Absolutes Highlight in der Mitte des Rundgangs ist natürlich dann das alte Stadion von Union, das vielleicht demnächst - bzw. geplant ab nächster Saison - auch wieder genutzt werden kann.















Das Stade Roi Baudouin - wegen der damit verbundenen Fußballkatastrophe wohl besser unter dem Begriff Heysel-Stadion bekannt - liegt nahe des Atomiums, einem DER Wahrzeichen der Stadt. Union spielt vorübergehend hier, bis das alte Stadion modernen Anforderungen entspricht. Der Verein wurde elf Mal belgischer Meister, zuletzt allerdings 1935. Seit dem Einstieg eines deutschen Investors im vorletzten Jahr hofft man jedoch wieder auf neue Blüte, bzw. zumindest den baldigen Aufstieg in die Erstklassigkeit.

Das belgische Nationalstadion ist natürlich viel zu groß für die Fanszene von Union, auch wenn man ihr beim Stimmungmachen keinen Vorwurf machen kann. Es ist eine coole Mischung aus offensichtlich alteingesessenen Fans des Vereins und einer neuen, alternativen Szene hier anwesend. Ein Großteil der Zuschauer ist sangesfreudig und macht dies in beeindruckend kreativer Vielfalt. Dazu gehört beispielsweise eine Bella-Ciao-Version, aber auch andere antifaschistische Gesänge. Das einzige, was sich nicht so ganz ins alternative Image einpassen will, sind noch am ehesten die "Auflauf-Girls" ganz zu Beginn.

Das Geschehen beim über weite Strecken unterhaltsamen Spiel ist schnell mal erzählt: Union geht sehr früh und laut bejubelt in Führung, die schlussendlich aber stärkeren Gäste drehen das Spiel schon bis zur Pause und können die Führung dann auch bis zum Abpfiff auch halten.

















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